Whitepaper

Nettopolice vs. Bruttopolice:
Was der Unterschied wirklich kostet.

Eine sachliche Analyse der Kostenstrukturen, steuerlichen Vorteile und langfristigen Auswirkungen auf Ihr Altersvorsorgekapital — mit Quellenangaben.

Albert Sibert  ·  Juni 2026  ·  nettopolicen-portal.de

Inhalt

  1. Was ist eine Nettopolice?
  2. Das Provisionsproblem — der Zinseszins-Killer
  3. Vollständige Beispielrechnung
  4. Kostenvergleich: drei Szenarien
  5. Steuerliche Aspekte (3. Schicht — 12/5-Regelung)
  6. Institutionelle Fonds-Tranchen
  7. Marktübersicht: Anbieter mit echten Nettotarifen
  8. Häufige Missverständnisse
  9. In 5 Schritten zur Nettopolice
  10. Quellen & Disclaimer

1. Was ist eine Nettopolice?

Eine Nettopolice (auch: Nettotarif, Honorartarif) ist eine private Rentenversicherung, bei der keine Abschluss- und Vertriebsprovisionen in den Tarif eingepreist sind. Die Vergütung des Beraters erfolgt ausschließlich durch ein transparentes Honorar, das direkt mit dem Kunden vereinbart wird.

Im Gegensatz dazu enthält eine Bruttopolice eine einkalkulierte Vergütung für den Vermittler — in der Regel 3,5 bis 4,7 % der gesamten Beitragssumme, verteilt auf die ersten 5 Beitragsjahre (Zillmerung)¹.

Wichtig: Wer darf Nettopolicen vermitteln?

Nettopolicen sind ausschließlich über zugelassene Versicherungsberater (§ 34d Abs. 1 GewO) erhältlich — nicht über provisionsbasierte Makler, Banken oder Direktversicherer.

2. Das Provisionsproblem — der Zinseszins-Killer

Der entscheidende Nachteil liegt nicht nur in den nominalen Abschlusskosten, sondern in deren Zinseszins-Effekt: Kapital, das als Provision abfließt, kann über die gesamte Laufzeit nicht wachsen.

Rechenbeispiel: Was €3.888 Provision wirklich kosten

Abschlusskosten (nominaler Betrag)−€ 3.888
Entgangenes Wachstum bei 6 % über 34 Jahre−€ 25.612

Tatsächlicher Gesamtschaden−€ 29.500

Formel: €3.888 × (1,06)³⁴ = €29.451 ≈ €29.500 ³

Hinzu kommen laufende Kostendifferenzen: Der Effektivkostensatz einer Bruttopolice liegt im Schnitt bei 1,90 % p.a.², bei einer Nettopolice bei 0,40–0,60 % p.a.

3. Vollständige Beispielrechnung

Annahmen: €300/Monat · 34 Jahre Laufzeit · 6 % Bruttorendite p.a.

Bruttopolice
€ 303.789
Eingezahlte Beiträge€ 122.400
Abschlusskosten€ 3.888
Effektivkosten p.a.~1,90 %
Nettorenditeca. 4,85 %
Nettopolice
€ 342.656
Eingezahlte Beiträge€ 122.400
Abschlusskosten€ 0
Effektivkosten p.a.~0,45 %
Nettorenditeca. 5,55 %
Vorteil Nettopolice (nach Honorar ~€900) + €38.867

Beispielrechnung · keine Garantie · individuelle Ergebnisse können abweichen

4. Kostenvergleich: drei Szenarien

Kriterium Bruttopolice Nettopolice ETF-Depot
Abschlusskosten€ 3.888€ 0€ 0
Effektivkosten p.a.~1,90 %~0,45 %~0,20 %
Endkapital (Bsp.)€ 303.789€ 342.656€ 360.000*
Steuerfreies Wachstum
12/5-Regelung
Abgeltungsteuer AuszahlungNeinNeinJa (25 %)
Institutionelle FondsSeltenNein
TransparenzGeringHochVollständig

* ETF-Depot ohne Steueroptimierung · höhere Bruttorendite, aber volle Abgeltungsteuer

5. Steuerliche Aspekte (3. Schicht)

6. Institutionelle Fonds-Tranchen

Über qualifizierte Nettopolicen erhalten Privatanleger Zugang zu institutionellen Fonds-Tranchen, die im Direktkauf nicht verfügbar sind:

Dimensional Fund Advisors (DFA)

Faktorbasierte, wissenschaftlich fundierte Indexstrategien. Nur über qualifizierte Berater erhältlich. TER ~0,20–0,35 %.

Vanguard & iShares Institutional

Institutionelle ETF-Klassen mit TER deutlich unter den Retail-Pendants. Zugang zu Fonds, die erst ab €1 Mio. Mindestanlage im Direktkauf verfügbar wären.

7. Marktübersicht: Anbieter mit echten Nettotarifen

Aktuell bieten ca. 18–22 Versicherungsgesellschaften echte Nettotarife an. Bekannte Anbieter (Auswahl):

Alte Leipziger LV 1871 Condor MyLife Volkswohl Bund Continentale Swiss Life Canada Life Nürnberger Allianz (Nettotarif)

Die Tarifqualität unterscheidet sich erheblich. Entscheidend sind der vollständige Effektivkostensatz und die verfügbaren Fonds-Tranchen — nicht nur die nominalen Abschlusskosten.

8. Häufige Missverständnisse

✗ «Das Honorar macht den Kostenvorteil zunichte.»
Fakt: Das Honorar (€590–€1.950 einmalig) amortisiert sich in der Regel innerhalb von 2–4 Jahren. Danach profitiert man langfristig von niedrigeren laufenden Kosten.
✗ «Nettopolicen kann man direkt beim Versicherer abschließen.»
Fakt: Nein. Echte Nettotarife sind ausschließlich über zugelassene Versicherungsberater (§ 34d Abs. 1 GewO) erhältlich.
✗ «Ein ETF-Depot ist besser als eine Nettopolice.»
Fakt: Für lange Laufzeiten ist die Nettopolice durch 12/5-Regelung und steuerfreies Wachstum in der Ansparphase oft vorteilhafter als ein reines ETF-Depot.
✗ «Nettopolicen sind riskanter.»
Fakt: Das Risikoprofil ist identisch mit vergleichbaren Bruttopolicen. Lediglich die Kostenstruktur unterscheidet sich.

9. In 5 Schritten zur Nettopolice

  1. 1

    Erstgespräch (15 Min.)

    Klärung Ihrer Ausgangssituation: Laufzeit, monatlicher Beitrag, steuerliche Situation, bestehende Verträge.

  2. 2

    Individuelle Analyse

    Vergleich der relevanten Nettoanbieter nach Effektivkostensatz, Fondsuniversum, Flexibilität und Finanzstärke.

  3. 3

    Honorarvereinbarung

    Transparente Vereinbarung des Beratungshonorars — bevor ein Produkt empfohlen wird. Keine Provision, kein Interessenkonflikt.

  4. 4

    Vertragsabschluss

    Unterstützung beim Ausfüllen der Antragsunterlagen, Klärung steuerlicher Details, Abschluss beim Versicherer.

  5. 5

    Laufende Betreuung

    Jährliche Überprüfung, Anpassung der Beiträge, steuerliche Feinabstimmung. Nur im Full-Service-Paket enthalten.

10. Quellen & Disclaimer

¹ BaFin-Marktstudie Lebensversicherungen 2022, S. 14 — Ø Abschlusskostenquote kapitalbildender LV

² BaFin-Merkblatt Informationspflichten § 2a VVG-InfoV (2023) — Effektivkostensatz Lebensversicherungen

³ Eigene Berechnung auf Basis von § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG (Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung)

⁴ Versicherungsbote: «Nettopolicen im Aufwind» (2023) — ca. 18–22 Anbieter mit echten Nettotarifen

⁵ Dimensional Fund Advisors (DFA): institutionelle Tranchen — nicht börsengehandelt

Disclaimer

Dieses Whitepaper dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage- oder Versicherungsberatung i. S. d. § 34h GewO dar. Alle Berechnungen sind Beispiele und keine Garantien. Steuerliche Angaben sind allgemein gehalten — individuelle steuerliche Beratung bleibt einem Steuerberater vorbehalten.